Militärgeschichte des Kommandopostens Selgis

Mit der Schlacht um Frankreich näherte sich der Krieg auch der Schweizer Westgrenze, und mit dem Kriegseintritt von Italien am 10. Juni 1940 war die Schweiz von den Achsenmächten umgeschlossen. Dieser Bedrohung konnte mit einer weit gespannten Abwehrlinie nicht mehr begegnet werden: General Guisan befahl den Gros der Armee in das Reduit.

Der Stab des 4. AK benötigte anfangs des 2. Weltkrieges einen unterirdischen, geschützten Kommandoposten und hat dafür 1941/42 das Objekt A 7444 Selgis gebaut. Auch diese Anlage ist im Laufe der Zeit ständig verbessert und den neuen Verhältnissen angepasst worden.

Nach dem Krieg diente der Kommandoposten Selgis weiterhin den Stäben von grossen Truppenverbänden, zuerst der Geb Div 9 und zuletzt über 40 Jahre lang bis 1995 der R Br 24.

Die Bedrohung durch den umfassenden und schnellen Fortschritt in der Luftkriegsführung nach dem 2. Weltkrieg machte auch vor der Reduitbrigarde 24 nicht Halt. So beherbergte der Kommandoposten Selgis seit den Achzigerjahren in der FLAWIZ " Fliegerabwehr-Warn- und Informationszentrale" den zentralen Führungsstab der Festungs-Flab.

Kunst im Militär

Eher einmalig und ganz besonders erwähnenswert ist der Wandbildzyklus des bekannten St. Galler Kunstmalers Willi Koch.

Füsilier Koch malte in den Jahren 1943/44 in verschiedenen Räumen 13 grossflächige Gemälde direkt auf die Betonwände (Gezeigt sind hier Ausschnitte aus einigen Bildern). Aus dem Gedächtnis stellte der Künstler seine Kameraden und Zeitgenossen dar, im Dienst und im Urlaub, in der Marschkolonne, im Wirtshaus und am Sonntag auf dem Dampfschiff. Die farbenfrohen Bilder zeugen aber auch von den Träumen und Sehnsüchten der Soldaten im Aktivdienst.

Die Denkmalpflege des Kanton Schwyz hat nun die sehr gut erhaltenen Kunstwerke unter Schutz gestellt, als wichtigen Ausdruck geistiger Landesverteidigung, aber auch als Beispiel, dass Kunst und Militär sich nicht gegenseitig ausschliessen.

 

Bedeutung und Einsatz des Kommandopostens Selgis

 

Status: Im Frühling 2003 ist die Anlage deklassifiziert, dh. aus der Geheimhaltung entlassen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Bis heute blieb sie tadellos erhalten, ausgerüstet und ist, von wenigen Einrichtungen abgesehen, "lückenlos kriegstauglich".

Der Kommandoposten Selgis kann nun das ganze Jahr und zu jeder Zeit unter kundiger Führung der Werksgruppe besichtigt werden. Er liegt direkt an der Bushaltestelle der Linie Schwyz-Muotathal und ist zudem rollstuhlgängig.

Technische Daten des Kommandopostens Selgis

Die Kaverne Selgis ist die andere Art: Sie ist nicht eine Artillerie- oder Infanteriefestung, sondern ein grosser und sehr gut eingerichteter Kommandoposten für grosse Truppenverbände.

Ab den Eingängen direkt an der Hauptstrasse zum Muotathal führt sie ca. 100 m unter dem Kieselkalkfelsen der Fallenflue in Richtung Chlingentobel.

Nebst den drei mit Leichten Maschinengewehren bewachten und mit Schleusen versehenen Eingängen beinhaltet die Festung im Wesentlichen: 15 verschiedene Arbeitsräume, Notstrom- und Klimaanlage, kleine Küche, Werkstatt, Wachtlokal, Telefon- und Fernmelderäume, sowie Betten für 93 Personen, grossteils über Kopf in den verschiedenen Arbeitsräumen.

Übersichtsplan des Kommandopostens Selgis

Legende

E 1

Eingang Ost 5 + 6 FLAWIZ 14 a Elektroverteilung
E 2 Eingang West 7 + 8 Führungsraum 15 Fernschreiber
NA Notausgang 9 Kanzlei 16 ET
1 a Dusche 10 Operationelles 17 Stabschef
1 b Wäsche 11 WC/Pi/WR 18 a Adjutanten HQ
1 c Schleusse gross und klein 13 WC/Pi/WR 18 b Logistik
2 Wachtlokal 13 a Öltank 19 Brigadekommandant
3 Kurier 13 b Filter-/Klimaraum 20 Schlafraum
3 a FWK/Verteiler 13 c Wasserreservoir 21 Küche
4 Rechnerraum 14 Motoren/Generatoren 22 Schleuse
4 a Telefonzentrale